"Shadow of Obsession"

Shadow of Obsession
Titel:"Shadow of Obsession"
Autor:Rebecca Neason
Verlag:Aspect / Warner Books, New York
Erstveröffentlichung:Jun 1998
Sprache:Englisch
Buch:Taschenbuch, 232 Seiten
ISBN:0-446-60547-6
Nummer:N-07 – Siebter der Romane zur Serie
 
Unsterbliche: Duncan MacLeod, Darius, Grayson, Callestina, Violane Armand, Emrys   ||   Hamza el Kahir, Louis Ducharde, Marie Guilliard, Richie Ryan, Mei-Ling Shen, Methos

Inhalt:

Duncan MacLeod unterstützt im Sudan Victor Paulus, einen ehemaligen Schüler von Darius, bei seiner humanitären Arbeit. Dabei lernt er auch Cynthia VanDervane kennen, die Verlobte von Paulus – eine Unsterbliche. Zurück in Seacouver erinnert sich Duncan im Gespräch mit Joe an seine erste Begegnung mit Darius vor fast zweihundert Jahren, und bald schon kommen sie beide den wahren Absichten Cynthia VanDervanes auf die Spur. Denn diese Unsterbliche verbindet eine gemeinsame Geschichte mit Darius, dem Darius von vor 1600 Jahren. Damals war dieser noch Anführer einer Armee der Visigoten und sie Callestina, die Schwester des Goten-Führers Alarich. Doch nicht nur die Wege von Darius und Callestina haben sich in der Vergangenheit gekreuzt, auch mit Duncan hat Callestina noch eine Rechnung zu begleichen...

Anmerkungen:

Das Cover zeigt ein Bild aus der Folge H-13 "Band of Brothers", und zwar eine Szene aus der ersten Begegnung Duncan MacLeods mit Darius 1815. Wenn man genau hinschaut, kann man auf dem Cover den Schnee sehen, der während des Drehs der Episode unerwartet fiel und das Schlachtfeld von Waterloo in der Episode noch trostloser machte. Die Autorin hat jedoch aus Gründen der historischen Stimmigkeit in ihrer Beschreibung von Waterloo den Schnee wieder in den Regen verwandelt, der damals im Juni 1815 tatsächlich fiel.

Bewertung:

"Shadow of Obsession" ist, von FanFiction mal abgesehen, die einzige Quelle, die uns Darius vor seiner Veränderung zu dem friedlichen Charakter zeigt, den wir aus der TV-Serie kennen. In dieser Hinsicht hat das Buch durchaus hohe Ansprüche zu erfüllen, denn kaum ein Charakter ist gleichzeitig so beliebt und so wenig erforscht wie Darius. Der Roman hat eine minimale Rahmenhandlung, doch lebt ansonsten von den Flashbacks. Es gibt einen größeren Flashback in die Jahre 409 und 410 sowie kleinere Flashbacks nach 1815, 1816 und 1842. Dabei sehen wir sowohl den General als auch den Priester Darius. Die Schilderung beider Facetten des Charakters gelingt Rebecca Neason erstaunlich gut, finde ich, denn man erkennt in dem General Darius von 410 durchaus den Priester Darius von 1993 wieder. Hier erleben wir einen vierhundert Jahre alten Darius, der für den Kampf lebt und der in der Schlacht zu einem erbarmungslosen Kämpfer wird. Einen Darius, den die Sterblichen gleichzeitig langweilen und amüsieren. Und gerade diese Amüsiertheit ist etwas, das auch den gegenwärtigen Darius aus der Serie auszeichnet.

Die Flashbacks nach 409 und 410 fügen sich gut in das wenige ein, was wir in "Band of Brothers" und "Pharao's Daughter" über Darius' Vergangenheit erfahren haben. Die Autorin erzählt von der Plünderung Roms und gibt uns Details, wieso Darius damals kurz davor stand, für 1000 Jahre Europa zu beherrschen, wie Duncan es in "Band of Brothers" angedeutet hatte. Inwiefern dieser Teil der Geschichte auch historisch korrekt ist, kann ich nicht abschließend beurteilen. Wie die Autorin selber in ihren Anmerkungen schreibt, hat sie einen Großteil der politischen Intrigen dieser Zeit weggelassen. Mit der Vereinfachung hat sie es aber etwas übertrieben, fürchte ich, einiges stimmt mit dem, was ich so an (spärlichen) Informationen gefunden habe, nicht überein (z.B. Angriff auf Ravenna, Honorius' Aufenthalt in Rom). Probleme habe ich auch mit der Schilderung von Darius' Veränderung. Diese Szene kommt mir einfach zu kurz, zu überhastet und zu hölzern vor. Da wäre etwas mehr Sorgfalt wünschenswert gewesen, vielleicht war auch der Abgabetermin zu schnell da.
Weiter vorne im Buch schildert die Autorin die erste Begegnung von Darius und Duncan MacLeod. Obwohl dies aus der TV-Serie bekannt ist, gelingt es ihr, diese Ereignisse spannend zu erzählen und mit vielen Details und zusätzlichen Szenen anzureichern. Hier kommt der friedliche Priester Darius genauso glaubwürdig rüber wie später im Buch der General. Und auch die Zeit nach den napoleonischen Kriegen weiß die Autorin zum Leben zu erwecken, dieser Teil des Buches ist vermutlich am besten recherchiert und liest sich entsprechend gut.

Eine Bemerkung am Rande: Während die Autorin die historischen Szenarien glaubwürdig und interessant schildert, habe ich mit ihrer Darstellung des Konfliktes im Sudan leider ein Problem. Die Wahl der Thematik ist an sich lobenswert, denn leider ist dieser Konflikt immer noch aktuell und nach wie vor eine humanitäre Katastrophe irgendwo im Bereich von Völkermord. Aber was in diesen Szenen leider auffällt, ist eine sehr einseitige Darstellung. Man kann da relativ deutlich rauslesen, dass die Autorin den Islam an sich für die Gräueltaten verantwortlich macht, die im Sudan begangen werden. Da ist leider keinerlei Differenzierung zu sehen, und der einzige positiv geschilderte einheimische Charakter hat dem Islam natürlich abgeschworen...

Die Rahmenhandlung ist ansonsten wie erwähnt nur dazu da, die verschiedenen Flashbacks zusammenzuhalten. Der Charakter der Callestina ist halbwegs interessant und wird in den Flashbacks gut eingeführt. Trotzdem ist es fraglich, ob das hätte sein müssen. Das Muster "Schüler/Geliebte eines Unsterblichen will Rache und ahmt ihren Mentor nach" hatten wir oft genug, man denke nur an Morgan D'Estaing. Da hätte Callestina etwas mehr Eigenständigkeit nicht geschadet. Zudem ist es doch etwas unglaubwürdig, dass sie ihren Hass auf Darius aus so nichtigen Gründen 1600 Jahre lang aufrecht erhalten konnte. Bei Grayson war das irgendwie nachvollziehbarer. Und nicht zuletzt das Ende dieser Rahmenhandlung. Misslungen, muss ich sagen, denn man sieht nun wirklich alles kommen, und Duncan hätte es genauso gehen sollen. Das grenzt schon an out-of-character, wie er da Callestina blind vertraut.

Was bleibt also für ein Eindruck übrig? Rebecca Neason hat die Flashbacks spannend geschrieben, vor allen die Napoleon-Ära schildert sie auch historisch sehr fundiert und glaubwürdig. Dem gegenüber steht das etwas überhastete Ende des Generals Darius und die doch eher belanglose und voraussehbare Rahmenhandlung, die ob ihrer Kürze ohnehin kaum eine Daseinsberechtigung hat. Ein wesentlich besserer Ansatz wäre es hier meiner Meinung nach gewesen, die Handlung komplett in Darius' Vergangenheit zu verlagern. Callestinas Rache an Darius hätte meinetwegen im zehnten Jahrhundert ihr Ende finden können, das wäre eine ganze Ecke glaubhafter gewesen. Die Geschichte hätte sich dann auch mehr auf Darius' Veränderung und seine Motivation konzentrieren können. Wenn es unbedingt einen Hauptcharakter braucht, hätte man ja Amanda oder Methos hinzufügen können. Und um Duncan MacLeod und den gut geschriebenen Waterloo-Flashback nicht zu verlieren: Wie wäre es mit einigen anderen Episoden aus Darius' langem Leben, eingestreut in die Haupthandlung im zehnten Jahrhundert?! Sozusagen "The Lifes and Times of Darius". Wirklich Schade, dass der Roman nur ansatzweise in diese Richtung geht und ansonsten 0-8-15-Standard-Plots bedient.

Fazit:
"Shadow of Obsession" ist als Gesamtwerk betrachtet leider nur ein mittelmäßiger Roman. Für Darius-Fans ist er trotzdem empfehlenswert, denn die Flashbacks im einzelnen sind durchaus gut und überzeugend geschrieben und bieten einen interessanten Blick auf diesen beliebten Charakter. Aber als Roman an sich fehlt da leider eine gute Rahmenhandlung und eine etwas durchgehendere Spannungskurve.

Commentics

Sorry, there is a database connection problem.

Please check back again shortly.