"Die Rückkehr des Unsterblichen"

Die Rückkehr des Unsterblichen
Titel:"Highlander – Die Rückkehr des Unsterblichen"
Autor:Martin Eisele
Verlag:vgs Verlagsgesellschaft, Köln
Erstveröffentlichung:1994
Sprache:Deutsch
Buch:Hardcover mit Schutzumschlag, 221 Seiten
ISBN:3-8025-2260-5

Inhalt:

Duncan MacLeod ist des ewigen Kampfes der Unsterblichen überdrüssig und schleudert sein Schwert in den Pazifik. Doch auf dem Heimweg wird er von einem Auto angefahren und schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Unter Medikamenteneinfluss gesetzt, erinnert sich der Highlander an seinen Clansbruder Connor MacLeod und die Bedrohung durch Slan Quince. Später verschwindet Duncan aus dem Krankenhaus, doch ein Arzt ist auf seine mysteriösen Heilungskräfte aufmerksam geworden und entführt ihn...

Anmerkungen:

Das Cover ziert ein frühes Promo-Photo von Duncan, aus der ersten Staffel vermutlich.

Auf dem Umschlag und in der CIP-Einheitsaufnahme ist Martin Eisele als alleiniger Autor angegeben, auf der ersten Seite jedoch liest man "Martin Eisele/Hans Sommer". Welche Rolle letzterer dabei spielt, ist mir aber nicht klar, eventuell der Herausgeber?

Bewertung:

Dieses Buch stellt eine echte Kuriosität dar. Es ist der einzige je in Deutschland veröffentlichte Highlander-Roman, und zwar keine Übersetzung eines amerikanischen Buches. Um mal mit dem Positiven anzufangen: Die Ausstattung kann sich sehen lassen. Das Buch kommt als Hardcover mit Schutzumschlag daher, wie alle von vgs veröffentlichten Romane zu TV-Serien. Macht also soweit einen sehr schönen Eindruck. Doch jetzt zum kuriosen Teil: Es ist keine eigene Highlander-Geschichte, vielmehr hat der Autor zwei Episoden der ersten Staffel, nämlich die Pilotfolge "The Gathering" und Folge 8 "Deadly Medicine", verquickt und einen minimalen Anteil eigener Handlung hinzugerührt.

Ich sage es besser gleich: Ich fand dieses Buch ziemlich grottig, und zwar aus verschiedenen Gründen. Fangen wir an mit der eigentlichen Handlung. Eine Novellisierung der Pilotfolge klingt eigentlich gut, und tatsächlich sind das auch die besten Teile des Buches. Doch schon bei "Deadly Medicine" verstehe ich nicht, worin der Sinn einer Buchfassung liegt – dies ist eine der schlechtesten, unlogischsten und langweiligsten Folgen der ganzen Serie. Ehrlich, die Folge ist dahingehend kaum zu toppen (siehe meine Review). Und dann das, was Martin Eisele diesen beiden Folgen hinzufügt – 'out of character' ist noch untertrieben. Duncan schleudert also sein Katana in den Pazifik, weil der Autor scheinbar meint, dass dies reicht, um dem Spiel der Unsterblichen zu entkommen. Aber so naiv ist Duncan nun wirklich nicht, zu glauben, dass er auf diese Weise dem Spiel entkommen kann (siehe "The Messenger"), das passt nicht zu ihm. Damit fällt mir diese minimale Rahmenhandlung schon mal unangenehm auf.

Was die Novellisierung der beiden Folgen betrifft: Man kann auch aus einer schlechten Folge einiges rausholen, aber dummerweise schafft das Martin Eisele nicht im geringsten. Dabei stört mich die merkwürdige Verschränkung der beiden Episoden nicht mal so sehr (immer wenn Duncan in "Deadly Medicine" unter Drogen steht etc. lässt ihn der Autor von "The Gathering" träumen). Was hier aber massiv auffällt: Normalerweise soll eine Novellisierung ja einen Mehrwert bieten, Szenen ergänzen und Lücken der Vorlage schließen. Nichts davon ist hier zu sehen, im Gegenteil: Der Autor schildert ausschließlich Szenen aus Duncans Perspektive. Da "The Gathering" im Rahmen des Buches nur eine Erinnerung ist und auch wenig Szenen ohne Duncan enthält, mag das noch gehen. Aber im zweiten Teil fällt es doch massiv auf, denn gerade "Deadly Medicine" hatte viele Szenen ohne Duncan. Wenn man alle seine Einzelszenen weglässt, ist die Charakterisierung von Dr. Wilder dahin, und auch für Richie und Tessa fehlen viele gute Szenen bzw. werden in einem Satz zusammengefasst. Und selbst in der Pilotfolge geht dadurch einiges verloren, z.B. Slans Motivation für seine Maske (seine Eitelkeit). Demgegenüber stehen fast keine eigenen Einfälle des Autors. Zur Pilotfolge hätte ich z.B. erwartet, dass mehr auf Richies Rolle eingegangen wird, welche ja im Script der Folge wesentlich ausführlicher war, aber nichts dergleichen findet sich hier. Dem Autor scheint nicht einmal bewusst zu sein, dass es sich bei Richie um einen Pre-Immie handelt, jedenfalls erwähnt er nichts dergleichen.

Soweit zur Handlung. Dies allein rechtfertigt aber nicht mein harsches Urteil über dieses Buch. Vielmehr gibt es etwas weit Schlimmeres: Die Sprache von Martin Eisele. Ehrlich, kein Groschenroman liest sich so schwülstig und theatralisch wie dieses Buch. Beispiel gefällig? "Im gleichen Moment sprudelte Zorn wie das kochende Wasser eines Geysirs in ihm hoch. Wieder hatte der Unmensch seine mörderische Hand gegen ihn erhoben. Schluss damit, ein für allemal!" (S. 131) Und in diesem Stil ist das ganze Buch verfasst, mit teilweise so sinnlosem, ellenlangen Geplapper, dass man vergisst, wo in der Handlung man eigentlich gerade ist. Da werden Unsterbliche nur als "Kreaturen, Wesen, Bestien, Monster" etc. beschrieben und den Charakteren werden saloppe Sätze in den Mund gelegt, die wir nie im Leben so aus der TV-Serie kennen. Um das noch weiterzutreiben hat Martin Eisele auch einige Szenen völlig unnötig dramatisiert. Little Deer war im FB aus der Pilotfolge keineswegs "ein zerfetztes, blutiges Bündel, das auf den ersten wie auf den zweiten Blick nichts Menschliches mehr aufwies" (S. 55/56). Und derlei Dinge finden sich noch viele.

Wenn ich schon mal am Meckern bin, will ich auch die Details nicht vergessen. Denn gerade mit diesen beweist Martin Eisele eine erstaunliche Unkenntnis. Er erwähnt z.B. Details aus "Revenge is Sweet", welche aber zeitlich nach "Deadly Medicine" spielt, beharrt darauf, dass die Wohnräume und Tessas Atelier *über* dem Antiquitätenladen liegen (tun sie nicht) oder dass der Laden eine Glastür habe (massives Holz), erwähnt an anderer Stelle, dass Duncan 100 Jahre auf seiner Insel verbracht habe (es waren zehn, und das kann man auch nach den ersten zehn Folgen schon wissen) oder dass Duncan nie einen Sterblichen getötet habe (klar, als schottischer Krieger, der bei einem Kampf gegen den Nachbar-Clan das erste Mal umkam...). In Martin Eiseles Version bekam Duncan die Rothaarige in London und nicht Connor und Slan Quince stürzt Connor von der Brücke, statt Connor sich selbst (wäre ziemlich dämlich von Slan, wo Connor gerade am Sterben und ziemlich hilflos ist).
Ebenfalls merkwürdig: Der Autor siedelt seine Geschichte in Kanada an. Ok, das Wort "Seacouver" war damals noch nicht geprägt, aber dass die Story offensichtlich in den USA spielt, ist wohl kaum zu übersehen (sehr deutliche Nummernschilder z.B.). Da wäre Seattle wohl eine bessere Wahl gewesen als Vancouver. Zudem wundere ich mich ziemlich über die konstant britischen Maßeinheiten (Yard, Zoll, Meile), die zu einem deutschen Autor nicht so recht passen. Als letztes sei noch erwähnt, dass der Autor statt "Buzz" das Wort "Flash" für das Spüren anderer Unsterblicher benutzt. Da dieses Buch laut Klappentext auf zwei Drehbüchern beruht, hätte ich mir doch gewünscht, dass Martin Eisele diese wenigstens gelesen hätte. Darin steht nämlich der korrekte Ausdruck "Buzz".

Fazit:
Eigentlich ist ja alles gesagt. Dieses Machwerk sollte man nur anfassen, wenn man durch das Lesen mindestens dreier der englischen HL-Romane geistig genügend gefestigt ist. Ansonsten: Finger weg! Um die hübsche Aufmachung ist es jedoch einfach Schade, und mich gruselt bei dem Gedanken, dass jemand sich aufgrund dieses Buches ein Bild des Highlander-Universums machen könnte...

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